Die Abrechnung

Blahrald begleicht seine Schuld … mit Gottes Stuhl. Das sollte reichen. Das ist des Guten genug. Hoffnung keimt im Stuhl, und die Sonne geht über ihm auf, ein leuchtender Luftballon. Einige Sonnenstrahlen kitzeln Blahralds Wangen, andere seine Gier nach Geld und Anerkennung. Mutter Sonne greift in die Tasten der Verstellung. Sie zieht viele kleine Selbsttäuschungen aus dem Hut und schiebt sie Blahrald unter … Gottes Stuhl.

Währenddessen sterben viele Menschen in den Kugelhageln dieser Welt. Es wäre schön für sie, für uns und vielleicht auch für Blahrald, wenn sie die Welt verlassen würden, wenn sie um unsere Weltraumstation herumschwebten und bald hier, bald da gegen deren Windschutzscheibe klatschten.

 

Sinn- und Seitenwechsel: Werktags wird aus Blahrald Gewinn herausgepresst. Der arme Mann wirkt wie Freiwild vor dem Abschuss. Die Jäger haben ihn schon lange im Visier. Die Jäger heißen Adolf eins, zwo, drei, vier … Also aufgewacht und aufgepasst! Das gilt ganz besonders für dich, Blahraldus! Es gibt einen ganzen Sack voll Hoffnung und Gottes Stuhl zu gewinnen. Die Trübsal hat sich ausgeblasen! Eine Kapelle spielt auf, in einem Zirkuszelt, unter Plastikhimmel mit aufgemalten Sternen. Engel steigen vom Stuhl Gottes, sie seilen sich ab und verkünden Blahrald, und nur ihm den Abbruch herrlicher Zeiten.

Rüdiger Saß

geboren 1966 | Wohnhaft in Hamburg | Soziologe | zuletzt erschienen: Sein letztes Lächeln, Container Press, Walheim, 2020. Siehe auch www.myspace.com/leereimer - Noch zu haben: Nachtstühle - Erzählungen und Prosa

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