Wiederholungen in der Endlosschleife

Wehe jenen Staatsmännern,
die zu dumm oder schlecht sind zu begreifen,
dass man nicht gegen die Armen,
sondern gegen die Armut zu Felde ziehen müsse.
– Ludwig Börne –

Wiederholungen in der Endlosschleife

Alteingefurzte Schamfallen, Panikpygmäen mit Babyfurzperleffekt, Fragezeichen, durch den Fernsprechfön vor die Füße gespuckt, von Schmollherren und Schmarotzmeistern, von Faustfreunden und Stechschrittideologen, denen der Arbeitszwang ein erprobtes Machtmittel ist, ein Disziplinierungsinstrument für den großen Haufen der Mittellosen. Das Ergebnis: verstaubte Stimmungen, Hausstaubexplosionen und Wellenwände, Wellenwalzen in Blitzeseile durchs Hirnhäuschen gehaucht, durch die Ruhmeshallen der Erinnerung: Es war einmal ein Spekulant, der zwischen die Mühlsteine der Gerechtigkeit geraten war. Mit der Miene des Verächters stieg er auf den Ochsenkarren, der ihn zum Richtplatz zuckeln sollte. Ihm torkelte ein Tag im August durch den Kopf, als er noch kein Spekulant war, sondern ein Kind an der Hand seiner Mutter. Sie wurden von einer wilden Schar mit Schlips und Kragen überfallen, in die Zange genommen; sie wurden verhöhnt, geschubst, bespuckt und geschlagen von Schmollherren und Schmarotzmeistern, von Faustfreunden und Stechschrittideologen. Es sah zu ihrer großen Freude so aus, dass sie zwei Vögeln die Flügel gebrochen hatten.

Rüdiger Saß

geboren 1966 | Wohnhaft in Hamburg | Soziologe | zuletzt erschienen: Sein letztes Lächeln, Container Press, Walheim, 2020. Siehe auch www.myspace.com/leereimer - Noch zu haben: Nachtstühle - Erzählungen und Prosa

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …