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Träume

Im Traum ging ich durch einen Wald. Ich ging über ein Feld, ich schwamm durch einen See, ich ging über einen Hügel, ich ging durch eine Stadt, durch einen Saal, durch die Dämmerung und über einen Gehsteig. Ich ging durch die knisternde Luft, durch ein Treppenhaus, durch Gestrüpp und über ein Gebirge ging ich. Ich wollte schon Gefallen daran finden, immer nur zu gehen, da glitt ich aus und im nächsten Moment lag ich wach im zerwühlten Bettzeug.

Anklage an den Süden

Süden, du Prahler, wo ist dein Licht, ich will meine Ansichtskartenfarben, nicht dein Hitzeflimmern, nicht das staubige Graugrün vor dem Verdorren, Süden, du Bilderbuch, du hast die Seiten deiner Landschaften verschlagen, du Aufschneider, ausgemergelt bist du, du kannst mich nicht mehr täuschen mit deinen Bougainvillea-Klecksen, in den schneeweißen Häusern schwitzt eine schwere Schwärze,

Kazalla muss weg

Wie Altöl, das zu unguten, verantwortungslosen Zeiten in hoffnungsvollen Baugrund gesickert ist, hat Singhammer Frau Kazalla geerbt. Von Belial ist vom ersten Tag an ganz klar in seiner Empfehlung. Er fasst sie in eine griffige Formel, die er Singhammer einhämmert, wann immer der zu ihm herunterkommt, um sich zu den Herausforderungen der neuen Aufgabe beraten zu lassen: Kazalla muss weg!

Amnesie

Wohnung Büro Wohnung Hotel Konferenzraum – stets öfter wechselst du die Zelle …

Die Firmenfeier

Herr Schmottke: Tachchen, Herr Doktor, oder besser: N´Abend. Ich freue mich wirklich sehr über Ihre Anwesenheit hier.

Schäfers Symphonie

Schäfer lässt von seiner Frau ab und wendet sich seinem Sessel zu. Doch der Sessel ist nicht mehr da, sein geliebter grauer Sessel, dieses Erbstück, das mal seinem Großvater gehört hat, das er bekommen hat, als der ins Heim musste, weg, verschwunden. „Wo ist er?“, fragt Schäfer nur. „Wer?“ Seine Frau tut so, als wüsste sie nicht wovon er spricht.

Abendessen im Hung Hoi

Ein Teamtreffen findet im Restaurant statt. Weil Teamleiter Diemer Geburtstag hat. Bereits vor Wochen hatte er gewitzelt, dass er seine Mitarbeiter ja sowieso...

Augenblick

In den Nächten, da träumen sie von den Gebüschen, aber nie würden sie darüber reden, denn ihr Reden ist zum Schweigen da. So verschweigen sie sich die Lüste, ihre Brüste, die Schenkel, die heimlich nur gespreizt, sich sehnen. Wonach? Das wissen sie wohl, ich weiß es auch, aber ich spreche nicht darüber.

Armut ist für alle da

„Hilde!? Was ist denn jetzt mit dem Urlaub? Wollen wir ins Reisebüro und buchen?“ – „Wovon denn, Kurt? Willst du deine 5-Cent Stücke rollen und zur Bank bringen? Von dem Erlös kannst du dir auf jeden Fall schon mal eine Fahrkarte bis zum Reisebüro kaufen.“ – „Was ist mit unserem Auto?“ – „Leidest du unter Gedächtnisschwund. Den haben wir vor zwei Monaten verkauft.“