Kategorie: Stories & Texte
Schäfer lässt von seiner Frau ab und wendet sich seinem Sessel zu. Doch der Sessel ist nicht mehr da, sein geliebter grauer Sessel, dieses Erbstück, das mal seinem Großvater gehört hat, das er bekommen hat, als der ins Heim musste, weg, verschwunden. „Wo ist er?“, fragt Schäfer nur. „Wer?“ Seine Frau tut so, als wüsste sie nicht wovon er spricht.
Schiere drei Meter groß steht er da, schlank, blond, kräftig (Tennisarm). Der Hautarzt. Studium der Medizin, Schwerpunkt Dermatologie an der Universität Freiburg, große Jahre, kaum Freizeit…
»Guter Gott, Hunter«, sagte Hunter Mayhem zu sich selbst, »du kannst nicht nach Uruguay reisen. Du gehst ja nicht mal raus, um die Post aus dem Briefkasten zu nehmen.« Der Briefkasten, dreieinhalb Meter unterhalb der Pfütze aus Worten zu seinen Füßen, längst übergequollen. Ein großer Haufen Papier auf der Straße. Leute wühlten darin herum oder sprangen hinein, Kinder zerrissen, was sie in die Finger bekamen. Die Postfrau gab ihnen Tag für Tag Futter.
„Hier ist Kirche“, sagte eine der Stimmen in seinem Kopf. Sie sprach hell, wie die Stimme einer Frau, „Wegweiser auf dem Boden, Linien, Linien, Zukunft“. „Hier wohnt Gott“, murmelte eine tiefe Stimme. Sie schien vertrauenswürdig. Er schaute sich um. Graue Vögel, manche mit abgehacktem Bein oder verstümmelten Zehen, segelten durch die Luft wie Boten des Himmels.
Erzählung mit taumelndem Pilz (Text: Kai Roßmann, Darsteller: Kai Roßmann, Video: Kai Roßmann): „Pokerface rottete seine Familie aus und ging in den Wald, um seine verlorene Jugend nachzuholen. Dem Rat seines psychologisch geschulten Onkels folgend, suchte er sich den höchsten Baum aus und versuchte, bis zu dessen Spitze zu klettern, um von dort aus…“
verloren in jeglicher übersetzung betrat ich einen kolonialwarenladen, geführt von einer schwarzen familie. regale aus sperrholz, gepresst und darauf die waren. hinter der theke, an haken, fleisch, ich bestellte ein getrocknetes kaninchen.
Ich bin heute zum Einkaufen gegangen um dies und das zu besorgen.
„Nun, meine Damen und Herren“, beginnt der Dozent zu dozieren, „machen Sie bitte ein Hohlkreuz. Diese Stellung wird von vielen Kunden bevorzugt. Der Kunde wünscht sich eine gewisse Anonymität in diesem Dienstleistungsgewerbe, was bedeutet, dass er Ihnen ungern in die Augen sehen möchte…“
Hier schreibt jemand mit heißem Herz, mit glühender Feder, ganz im Gegensatz zu jenem Heer kalter Stubengelehrter, den ach so aalglatten Elendsskribenten des Literaturbetriebs, die ihr Talent und Streben dem Mammon, dem Ruhm, dem Teufel des herrschenden Geschmacks opfern.
Da saß er nun und alle lachten herzlich über ihn und klatschten und jubelten…