Kategorie: Stories & Texte

Die schneidende Kugel

Seit Stunden frage ich mich, was ich hier mache. Ich habe mich in Worten verirrt, bin eine Richtung entlang gefahren, ohne das Haus zu verlassen. Ich kann ja das Haus nicht verlassen. Die Technik erlaubt es.

Wasser und Wein

Sie saß am Küchentisch, den Rücken zum offenen Fenster gedreht. Ihr Kopf ruhte auf dem linken Unterarm, den rechten Arm hatte sie quer über die glatte Holzplatte gelegt. Neben ihrer rechten Hand stand ein halbvolles Glas Rotwein. Sie konnte das Ticken der Uhr hören. Die Luft stand still.

Pogo

Der Pogo hat als Tanz seine Wurzeln in der Punkszene der 1970er Jahre. Ursprünglich wurde dabei nur unkontrolliert in die Luft gesprungen.

Dynamik einer Meinung

Allein in einer Menge unbekannter Gesichter. Fragende Blicke tauschen sich aus, doch reden will niemand; aus Vorsicht und Angst, etwas Falsches zu tun.

Milena kann keinen Kopfstand

Oh, Milena. Sie kehrt von Zeit zu Zeit zurück in meine Erinnerung, wie sie sich wieder einmal in ihrem Silberlöffel betrachtet, einem Erbstück von ihrer Oma, um ihr Spiegelbild auf den Kopf gestellt zu wissen. Sie zelebrierte es immer, nachdem die anderen Mädchen und Jungen sie gehänselt hatten, weil Milena keinen Kopfstand konnte. Für einen Kopfstand braucht man keine Beine, lästerten sie.

Damals

Scheiße, Mann / ich hab doch nicht gedealt // Ich hab hundertzwanzig Piepen zusammen / gekratzt und 25 Gramm gekauft …

Muay Thai

Der Boxring war der Mittelpunkt einer überdachten Halle, ringsherum hatte man Tresen und Tische drapiert, an denen Nutten bedienten und Bier, Schnaps und sich selbst verkauften, während die Touristen zum Kurzweil auf die Boxer wetteten. Obwohl in Thailand beides verboten ist, nämlich die Prostitution und das Glücksspiel, florierte es prächtig. Darum baute der Veranstalter jeden Abend eine kleine Sensation ein, nach dem Motto, Thais gegen den Rest der Welt, und mal war es ein grimmiger Russe, ein überheblicher Amerikaner, ein knorriger Australier oder ein weltfremder Europäer.

Hotel America

„Es sind Kinder, quadratisch und rund zugleich. Besser gesagt: voluminös. Sie haben Plastikeimer dabei, sie füllen sie schichtweise mit Toast, Würstchen, Marmelade und Rührei. Die Mutter bittet einen Kellner um Traghilfe. Bevor sie alle meinen Tisch erreichen, bin ich weg. 10 Uhr, die Bar öffnet. Ich brauche meinen Arm nur auf den Tresen zu legen, damit der Kellner das dämliche Armband erkennt, dann mixt er mir einen Gin-Tonic. All-inclusive. Wer das bucht, braucht Potenzial, ob in Leber, Leib oder Seele.“

Und dann …

… dann träumte sie von einem Leben in der Stadt, denn sie wusste, Stadtluft mache frei.